Die Geschichte der Karikatur
und ihre berühmten Ziele
Seit 5 Jahrhunderten ist der Bleistift eine Waffe. Von Luther, der den Papst verspottet, bis Gillray, der Napoleon lächerlich macht — die Geschichte der Karikatur als politische Kraft.
Welche Rolle spielte die Karikatur in der Geschichte?
Seit 5 Jahrhunderten hat die Karikatur geduldig Freiräume eröffnet. Heute möchten einige Blasphemiegesetze wieder einführen. Cabu, Wolinski, Charb und andere haben für diese Freiheit mit ihrem Leben bezahlt.
Die protestantische Reformation (16. Jahrhundert)
Mit der Erfindung des Buchdrucks wurde die Karikatur zu einer furchterregenden Waffe in den Religionskriegen. Protestanten wie Martin Luther nutzten sie, um den Papst und den Klerus zu kritisieren, indem sie sie als gierige Monster darstellten. Diese einfachen Bilder wurden von jedermann leicht verstanden.
Albrecht Dürer, die versteckte Protest
Während des Bauernkriegs (1524–1525) unterstützte Dürer die Rebellen. Angesichts der Repression versteckte er seine Kritik in einem Zeichenhandbuch. Er entwarf ein Denkmal, das scheinbar den Sieg der Herren feierte, aber in Wirklichkeit eine versteckte Kritik war: Die Säule, eine Ansammlung von landwirtschaftlichen Geräten, wurde von einem weinenden, in den Rücken gestochenen Bauern gekrönt — eine Hommage an den «Bauernmärtyrer».
Die Französische Revolution (1789)

Mit dem Aufstieg der Meinungsfreiheit überschwemmte eine Welle von Karikaturen Frankreich. Der König, Marie-Antoinette und die Aristokraten waren bevorzugte Zielscheiben. Ihre Privilegien wurden verspottet, um sie zu entweihen. Die Karikatur wurde zu einem politischen Instrument, um revolutionäre Ideen zu verbreiten.
Das Goldene Zeitalter (19. Jahrhundert)
Dank der Lithografie und der Zeitungen erreichte die Karikatur ihren Höhepunkt. In Frankreich führten Publikationen wie La Caricature oder Le Charivari einen regelrechten Krieg gegen König Louis-Philippe. Künstler wie Daumier oder Grandville riskierten Gefängnisstrafen. Die Karikatur wurde daraufhin als echte Gegenmacht anerkannt.
Wer waren die berühmten Ziele der Karikatur?
Louis-Philippe und «die Birne»
Der Karikaturist Charles Philipon, genervt von ständigen Prozessen, hatte die brillante Idee, König Louis-Philippe zu zeichnen, wie er sich in eine Birne verwandelt. Die Botschaft war zweifach: Das Gesicht des Königs sah aus wie eine Birne, und im französischen Slang bedeutet «Birne» (poire) ein Dummkopf. Das Symbol wurde so populär, dass eine einfache Birnenzeichnung an einer Wand genügte, damit jeder verstand.
Die Dreyfus-Affäre: eine gespaltene Nation
Ende des 19. Jahrhunderts zerriss die Dreyfus-Affäre Frankreich. Dieser Spionagefall vor dem Hintergrund des Antisemitismus wurde zu einem Schlachtfeld für Karikaturisten. Die berühmteste Karikatur bleibt «Ein Familienessen» (Un dîner en famille) von Caran d’Ache, das die tiefe Spaltung der Gesellschaft perfekt veranschaulicht.
Hitler: das universelle Ziel
Wenige Figuren wurden so sehr karikiert wie Adolf Hitler. Sein Größenwahn und sein Schnurrbart machten ihn zu einer Hauptzielscheibe für Karikaturisten auf der ganzen Welt, die schon früh vor der Gefahr warnten. Sie stellten ihn als Monster, Wahnsinnigen oder blutrünstigen Clown dar — und nutzten das Lachen als Waffe des Widerstands.
Napoleon und der englische Bleistift
In England brach nach 1803 der Hass gegen Napoleon aus. Karikaturisten wie James Gillray entfesselten sich. Sie brachen den Mythos, indem sie ihn als wütenden Zwerg darstellten. Ziel war es, ihn lächerlich zu machen, um seine Autorität und seinen Ruf der Unbesiegbarkeit zu untergraben.
Anderswo in Kultur
Kurz gefasst
- Die Karikatur entstand in Italien um 1590, mit den Brüdern Carracci in Bologna; ab dem 15. Jahrhundert ermöglichte der Buchdruck die massenhafte Verbreitung satirischer Bilder.
- Seit 5 Jahrhunderten, von Luther und der protestantischen Reformation bis Charlie Hebdo, eröffnet sie geduldig Freiräume.
- 1831 zeichnete Charles Philipon Louis-Philippe, wie er sich in eine Birne verwandelt: ein Symbol, das so populär wurde, dass eine einfache Birne genügte, damit jeder verstand.
- Dieses Kapitel präsentiert 6 kommentierte Werke, von Marie-Antoinette als Harpyie (1791) bis zu David Lows Rendezvous (1939).
| Historisches Ereignis | Berühmtes Ziel | Ziel der Karikatur | Medium |
|---|---|---|---|
| Protestantische Reformation (16. Jh.) | Der Papst und der Klerus | Korruption anprangern | Holzschnitte |
| Französische Revolution (1789) | Ludwig XVI. und Marie-Antoinette | Das Königtum entweihen | Flugblätter |
| Julimonarchie (1830–48) | Louis-Philippe | Das bürgerliche Regime kritisieren | Le Charivari |
| Dreyfus-Affäre (1894–1906) | Die Armee, der Antisemitismus | Gesellschaftliche Brüche aufdecken | Le Figaro / La Libre Parole |
| Zweiter Weltkrieg | Hitler, Mussolini, Stalin | Den Feind dämonisieren | Alliierte Presse |
— Sébastien Rieu




