Die Pioniere und Innovatoren
der Karikatur
Töpffer erfindet den Comic. Grandville erfindet den Surrealismus vor seiner Zeit. André Gill erfindet den großen Kopf. 11 Originalwerke.
Wer sind die Pioniere und Innovatoren der Karikatur?
Töpffer, Rodolphe (1799–1846)
Rodolphe Töpffer (1799–1846). Denker, Pädagoge und Zeichner aus Genf, gilt er als Erfinder und erster Theoretiker des Comics. Da ihn eine Augenkrankheit daran hinderte, Maler zu werden, erfand er das, was er «Bilderliteratur» (littérature en estampes) nannte — ein narratives Format, in dem Bilder allein mehrdeutig sind und Text allein keinen Sinn ergibt: Zusammen bilden sie etwas völlig Neues. Ohne Töpffer gibt es kein Tim und Struppi, kein Asterix.
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Grandville (Jean-Ignace-Isidore Gérard, 1803–1847)
Grandville (bürgerlicher Name: Jean-Ignace-Isidore Gérard). Bekannt für seine zoomorphen Zeichnungen (Menschen mit Tierköpfen) und seine traumhaften Welten, war Grandville eine feste Größe in Satirezeitschriften wie La Caricature und Le Charivari. Seine Kunst schöpfte aus der Physiognomik, die Gesichtszüge mit dem individuellen Charakter verbindet. Er starb jung, mit 43 Jahren, und hinterließ ein Werk, das ein Jahrhundert später den Surrealismus beeinflussen sollte.
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Traviès, Charles-Joseph (1804–1859)
Charles-Joseph Traviès (1804–1859). Französischer Karikaturist und Mitarbeiter von La Caricature und Le Charivari, wurde Traviès von Baudelaire für sein Einfühlungsvermögen gegenüber dem einfachen Volk gelobt. Er schuf die Figur «Mayeux», einen lüsternen und zynischen Buckligen, der zu einem populären Archetyp wurde, um die Sitten der Julimonarchie zu kritisieren.
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Cham (Amédée de Noé, 1818–1879)
Cham (bürgerlicher Name: Amédée de Noé). Als äußerst produktiver Zeichner für die Zeitung Le Charivari porträtierte Cham die Pariser Gesellschaft des Zweiten Kaiserreichs mit einem leichteren und zugänglicheren Humor als Daumier. Er ist vor allem für seine sequenziellen Bildergeschichten bekannt, die den modernen Comic vorwegnahmen.
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André Gill (1840–1885)
André Gill (1840–1885). Bürgerlicher Name Louis-Alexandre Gosset de Guines. Er war ein berühmter französischer Karikaturist zur Zeit der Pariser Kommune und der Dritten Republik. Sein Stil ist sofort erkennbar: Auf den Titelseiten von Zeitungen wie L’Éclipse zeigen seine leuchtend bunten Karikaturen Politiker mit riesigen Köpfen auf winzigen Körpern, eingebettet in eindrucksvolle allegorische Szenerien.
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Anderswo in Kultur
Kurz gefasst
- Rodolphe Töpffer gilt als Erfinder und erster Theoretiker des Comics: Er nannte seine Schöpfung «Bilderliteratur».
- Grandville ist berühmt für seine zoomorphen Zeichnungen — Menschen mit Tierköpfen, der Surrealismus vor seiner Zeit.
- André Gill erfand den «großen Kopf»: ein riesiger Kopf auf einem winzigen Körper, auf den Titelseiten von La Lune und L’Éclipse — das Prinzip der modernen Pressekarikatur.
- Dieses Kapitel präsentiert 11 kommentierte Werke und schließt die Enzyklopädie ab: 7 Kapitel, 98 Werke, 5 Jahrhunderte Satire.
| Künstler | Innovation | Visuelle Signatur | Werk / Publikation |
|---|---|---|---|
| Rodolphe Töpffer | Erfinder des Comics | Sequenzielles Erzählen, Text unter den Bildern | Histoire de M. Jabot |
| J.-J. Grandville | Surrealismus vor seiner Zeit | Menschen mit Tierköpfen, Metamorphosen | Les Métamorphoses du jour |
| Charles-Joseph Traviès | Sozialsatire des Volkes | Die Figur des Mayeux (Buckliger) | Le Charivari |
| Cham | Schnelle Bildgags in Vignetten | Lebendige Skizzen, pointierte Bildunterschriften | Le Charivari |
| André Gill | Erfinder des großen Kopfes | Riesiger Kopf auf winzigem Körper | La Lune, L’Éclipse |
— Sébastien Rieu










